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Wald und Holz

 

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Baumwipfelpfade – über allen Wipfeln was los

Ursprünglich waren es haarsträubende Lattengerüste für Forschungszwecke. Heutzutage sind Baumwipfelpfade solide Konstruktionen, die sogar barrierefrei und ein beliebtes Ausflugziel sind. Mit ihnen lässt sich ein ungeahnter Spagat vollführen: dass Menschen den Wald erleben können und der Wald von der Besucherlenkung profitiert.

Was Wissenschaftler in den 70er Jahren auf die Bäume brachte, das war der unglaubliche Artenreichtum in der Baumkronenschicht tropischer Regenwälder. Doch diese Region zu erforschen, das war gar nicht so einfach. Wie gelangt man in unwegsamen Terrain auf diese Baumriesen, noch dazu mit einem Gepäck voller Forscherbesteck? Denn immerhin befindet sich das Kronendach in luftiger Höhe zwischen 20 und 40 Metern.

Die Forscher behalfen sich mit zum Teil haarsträubenden Improvisationen. Mal waren es nur Drahtseile, die zwischen den Bäumen gespannt wurden und an denen sie sich entlang hangelten, mal waren es Lattengerüste, auf denen so mancher Wissenschaftler über die Gesetze der Statik ins Grübeln geriet. 

Immer aber waren es Bauten mit nachhallendem Erfolg. Sie brachten Einsicht in einen bis dahin kaum bekannten Lebensraum. Und die fantastische Aussicht beeindruckte die Forscher derart, dass sie daheim voller Faszination von ihren Abenteuern in den Wipfeln erzählten. Das brachte schließlich findige Abenteurer auf die Idee, dieses Forschungserlebnis in den Baumwipfeln auch einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich zu machen. So begann der Eroberungszug der Baumwipfelpfade oder Canopy-walkways von Mittel- und Südamerika aus um die ganze Welt. Man könnte auch sagen: Forschung, die ein unerwartetes Ergebnis einbrachte.

 

19 Baumwipfelpfade in Deutschland:
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In Deutschland entstand 2003 der erste Baumwipfelpfad in Fischbach im Pfälzerwald. Heute gibt es offiziell bereits 19 Baumkronen- oder Baumwipfelpfade, Waldklettergärten noch nicht mit eingerechnet. Der jüngste, der Heide Himmel“ am Wildpark Lüneburger Heide, wird im September eröffnet. Nummer 20 ist 2020 für Heringsdorf auf der Insel Usedom geplant.

Das Besondere an den Baumwipfelpfaden: Der Besucher bewegt sich in unzugänglichen Regionen und kann die Natur dennoch mit Leichtigkeit erleben. Ein entsprechendes Erlebnis bliebe vielen Menschen verwehrt, denn Baumkronenpfade sind massive Holzkonstruktionen, die häufig sogar barrierearm oder gar barrierefrei gestaltet sind.

So gelangen etwa auch Rollstuhlfahrer über den leicht ansteigenden Pfad in Prora auf der Insel Rügen auf den 40 Meter hohen Adlerhorst, dem hölzernen Aussichtsturm am Ende der Strecke. Dabei windet sich die Rampe im Turm 600 Meter um eine 30 Meter hohe Rotbuche.

Ungeahnte waldpädagogische Möglichkeiten

Ganz klar. Es sind vor allem die Ausblicke, die Panoramen, die die Besucher locken. Doch bestückt mit Lern und Erlebnisstationen, können die Baumwipfelpfade auch enormes waldpädagogisches Potenzial entfalten. Wo ließe sich besser Wissen über den heimischen Wald vermitteln als im Wald selber?

Viele Pfade bieten Stationen für alle Sinne: Sehen, Riechen, Fühlen, Hören. Das Konzept beeindruckt auch die Landesforsten. Immerhin betreiben sie in Bayern und Mecklenburg-Vorpommern zwei Baumwipfelpfade. Ob Fotokurse bei Sonnenuntergang, Frühmorgens- oder Vollmondführungen, oder Exkursionen mit den Kindern von den Wurzeln bis zu den Wipfeln. Entlang der Bäume finden sich zahlreiche Möglichkeiten für geführte Walderlebnistouren.

Schutzkonzept und Einnahmequelle

Auch für den Wald und dessen Besitzer eröffnen diese Ausflugsmagneten ganz neue Möglichkeiten. Zum einen lassen sich damit Einnahmen generieren. Allerdings muss zunächst auch eine Investition von durchschnittlich mehreren Millionen Euro  gestemmt werden.

Doch gerade die Erholungsleistung für die Bevölkerung, die unsere Wälder sozusagen kostenlos zur Verfügung stellen, beschert den Waldbesitzern einen ganzen Batzen an Kosten. Vom Wegebau über Unfallverhütungsmaßnahmen: Waldbesitzer suchen händeringend nach Optionen, wie diese Erholungsleistung ökonomisch ausgeglichen werden kann.

Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) fördert über die Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e.V. (FNR) diesen gesellschaftlichen Dialog: Sei es mit Forschungsprojekten, woraus etwa der Achtsamkeitspfad der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald resultierte, oder auch über den gesellschaftlichen Dialog, der über die Charta für Holz 2.0 initiiert wurde. Empfehlungen für die Finanzierung von Sport, Erholung und Gesundheit im Wald sind ein weiteres Beispiel dafür, wie das BMEL einen Ausgleich sucht zwischen der nachhaltigen Waldwirtschaft und weiteren Interessensgruppen. Mit dem  Waldklimafonds der Bundesregierung werden ebenfalls Projekte gefördert, die Informations- und Kommunikationsangebote zum Thema Wald und Holz entwickeln.

Aber auch der Wald selber kann durch die Baumwipfelpfade profitieren. Statt ausschwärmender Besucherströme sorgen die imposanten Bauwerke für eine Lenkung des Besucherandrangs. Und ein Wissensparcours hilft dem Erhalt des Waldes ebenfalls, wenn unsere Kinder künftig wieder mehr Baumarten kennen als Automarken. 

Weitere interessante Projekte zum Thema Wald und Kommunikation:


Wald-Klima-Pfad-Berlin
Motivationswerkstatt Wald und Klima
Aktion Wald!
WaldKlima-App

 
Pressekontakt:
Kompetenz- und Informationszentrum Wald und Holz (KIWUH)
Jürgen Heup
Tel.: +49 3843 6930-315
Mail: j.heup(bei)kiwuh.fnr.de
News KIWUH 2019-20
 

Der Baumkronenweg im Walderlebniszentrum Ziegelwies in Füssen ist einer von 19 Baumwipfelpfaden in Deutschland. Die Kombination von Panorama, wandern in luftiger Höhe und Waldpädagogik sorgen für ein nachhaltiges Walderlebnis.  Quelle: Mathias Struck
Der Baumkronenweg im Walderlebniszentrum Ziegelwies in Füssen ist einer von 19 Baumwipfelpfaden in Deutschland. Die Kombination von Panorama, wandern in luftiger Höhe und Waldpädagogik sorgen für ein nachhaltiges Walderlebnis. Quelle: Mathias Struck
Baumwipfelpfad Saarschleife im Saarland, Quelle: Erlebnis Akademie AG
Baumwipfelpfad Saarschleife im Saarland, Quelle: Erlebnis Akademie AG
Baumwipfelpfad Bayerischer Wald in Bayern Quelle: Erlebnis Akademie AG
Baumwipfelpfad Bayerischer Wald in Bayern Quelle: Erlebnis Akademie AG
Baumwipfelpfad Nationalpark Hainich in Thüringen, Quelle: KTL Kur und Tourismus  Bad Langensalza GmbH
Baumwipfelpfad Nationalpark Hainich in Thüringen, Quelle: KTL Kur und Tourismus Bad Langensalza GmbH
Baumwipfelpfad und Naturerbezentrum Rügen in Mecklenburg-Vorpommern, Quelle: Erlebnis Akademie AG
Baumwipfelpfad und Naturerbezentrum Rügen in Mecklenburg-Vorpommern, Quelle: Erlebnis Akademie AG
Baumkronenweg Edersee -Treetopwalk in Hessen, Quelle: Baumkronenweg Edersee/ Jäger
Baumkronenweg Edersee -Treetopwalk in Hessen, Quelle: Baumkronenweg Edersee/ Jäger
Baumwipfelpfad Ivenacker Eichen in Mecklenburg-Vorpommern, Quelle: Landesforst MV
Baumwipfelpfad Ivenacker Eichen in Mecklenburg-Vorpommern, Quelle: Landesforst MV
 
Charta für Holz
 
 
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