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Waldbrand-Früherkennung

Von automatischen Waldbrand-Früherkennungssystemen bis hin zu Aufklärungsflügen: Überwachungsmaßnahmen der Länder bei Waldbrandgefahr

Das Thema Waldbrand hatte bisher in Deutschland eine vergleichsweise geringe Bedeutung, was ein Blick in die Waldbrandstatistik erklärt. In den vergangenen 28 Jahren brannten im Durchschnitt jährlich 714 Hektar (ha) Wald. Die meisten Brände waren kleiner als ein halber ha – auch deshalb, weil sie schnell gelöscht werden konnten. Angesichts einer Gesamtwaldfläche von 11,4 Millionen ha sind die Zahlen aber unbedeutend.

424 Waldbrände in Deutschland – 21 000 in Griechenland
Die Verhältnismäßigkeit wird beim Vergleich mit südeuropäischen Ländern noch deutlicher. Wurden 2017 in Deutschland 424 Feuer in deutschen Wäldern registriert, waren es in Griechenland im selben Jahr über 21 000.

Das änderte sich nach dem sehr trockenen Jahr 2018: Die Zahl der Brände schnellte auf 1708 hoch, die verbrannte Fläche auf über 2300 ha. Auch 2019 wird als ein Jahr in die Statistik eingehen mit überdurchschnittlich vielen und großen Bränden: Allein der Waldbrand in Lübtheen im Juni 2019 hatte eine Ausdehnung von 1200 ha.
 
Experten sagen, dass sich im Zuge des Klimawandels derartige Trockenperioden häufen werden und warnen vor dem, was wir bisher nur aus anderen Ländern kennen. Vor Großbränden.  

Auch innerhalb Deutschlands hat die Bedeutung des Themas Waldbrand bei den Landesforstverwaltungen einen unterschiedlich hohen Stellenwert. Kiefernwälder in Nord- und Ostdeutschland auf sandigen Standorten mit geringen Niederschlägen werden in die Waldbrandgefahrenklasse A eingestuft. Dort herrscht allgemein eine sehr hohe Waldbrandgefahr und besteht die Gefahr von Großbränden. Weit weniger brandanfällig sind die Laubmischwälder in den Mittelgebirgslagen mit der Waldbrandgefahrenklasse C.
 
Entsprechend unterschiedlich sehen auch die Maßnahmen der Waldbrand-Früherkennung in den einzelnen Bundesländern aus: In den weniger gefährdeten Regionen setzen die Forstverwaltungen in kritischen Phasen auf Kontrollen durch Forstpersonal (Waldbrandstreifendienst), bemannte Beobachtungstürme und in manchen Bundesländern auf Aufklärungsflüge und vertrauen aufgrund der Siedlungsstruktur auch auf die Alarmierung durch Anwohner und Waldbesucher.
 
Automatisches Waldbrand-Früherkennungssystem
Länder mit einem höheren Waldbrandrisiko, das sind Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Sachsen, setzen gemeinsam auf ein Automatisches Waldbrand-Früherkennungssystem (AWFS), das sogenannte Fire Watch. Es wurde 1997 am Deutschen Luft- und Raumfahrtzentrum entwickelt. 

Dabei handelt es sich um ein kameragestütztes, digitales Fernbeobachtungssystem, das meist auf Feuerwachtürmen oder Sendemasten installiert ist. Entdecken die Sensoren die typischen Grauwerte einer Rauchwolke, senden sie einen Alarm an eine Waldbrandzentrale. Dort prüft ein Forstmitarbeiter die Bilder und entscheidet, ob die Meldung an die Leitstellen der Feuerwehren weitergeleitet wird. 

Bei einer Alarmierung erhält die betreffende Feuerwehr zusätzlich die konkreten geografischen Daten des Brandherdes, die durch Kreuzpeilung exakt ermittelt werden. Das AWFS beobachtet permanent (360° in 6 Minuten) die Umgebung. Bei einem Radius von 15-20 km lassen sich damit über 700 km2 Wald abdecken.
 

Baden-Württemberg: Keine spezielle Früherkennung
Bayern: Aufklärungsflüge;
Bremen: Keine spezielle Früherkennung
Berlin und Brandenburg: 105 AWFS, sechs Waldbrandzentralen. Diese werden modernisiert und bis 2021 auf zwei zusammengefasst.
Hamburg: Keine spezielle Früherkennung
Hessen: Keine spezielle Früherkennung
Mecklenburg-Vorpommern: 22 AWFS, eine Waldbrandzentrale Wachtürme und Waldbrandstreifendienst
Nordrhein-Westfalen: Wachtürme
Niedersachsen: 20 AWFS, eine Waldbrandzentrale
Rheinland-Pfalz: Aufklärungsflüge
Saarland: Keine spezielle Früherkennung
Sachsen: 17 AWFS, zwei Waldbrandzentralen, Wachtürme
Sachsen-Anhalt: 14 AWFS, drei Waldbrandzentralen, Wachtürme
Schleswig-Holstein: Aufklärungsflüge
Thüringen: Keine spezielle Früherkennung

Kontakt:

Kompetenz und Informationszentrum Wald und Holz
bei der Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e.V.

Jürgen Heup
Tel: 03843 6930-315
E-Mail: j.heup(bei)kiwuh.fnr.de

Neben den Schäden für die Natur, Waldbesitzer und Anwohner gilt es auch die Notwendigkeit gefährlicher Löscheinsätze (wie hier beim Brand in Lübtheen 2019) auf ein Minimum zu reduzieren. Waldbrände müssen so früh wie möglich erkannt werden. Foto: BMEL / Mewes
Neben den Schäden für die Natur, Waldbesitzer und Anwohner gilt es auch die Notwendigkeit gefährlicher Löscheinsätze (wie hier beim Brand in Lübtheen 2019) auf ein Minimum zu reduzieren. Waldbrände müssen so früh wie möglich erkannt werden. Foto: BMEL / Mewes
 
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