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Wald und Holz

 

Wissenswertes

 

Anpassung an den Klimawandel

Nach dem Dürresommer im letzten Jahr droht den Wäldern die nächste Trockenperiode. Angaben des Deutschen Wetterdienstes zufolge könnte sich die Situation 2019 sogar noch verschärfen. Gleichzeitig verweisen die Wetterexperten auf die Unsicherheit von derlei Prognosen. Unabhängig davon muss sich die Forstwirtschaft aber vorbereiten: Wie kann sie sich künftig besser auf Trockenperioden einstellen, wie kann sie auf die Vielzahl an Herausforderungen reagieren, die der Klimawandel mit sich bringt? Mit der Beantwortung dieser Fragen beschäftigen sich Projekte, die vom Bundeslandwirtschaftsministerium (BMEL) und/oder vom Bundesumweltministerium (BMU) gefördert und von der Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e.V (FNR) koordiniert werden. Wie das konkret aussieht, zeigen folgende drei Beispiele.

http://www.tum.de/die-tum/aktuelles/tum-in-den-medien/artikel/article/30981/Karten oder Luftbilder, die wertvolle Informationen über den Zustand des Waldes liefern, sind bei Experten derzeit händeringend gesucht. Die Auswertung der Fotos stellt die Forscher allerdings vor eine Herausforderung. Forstwissenschaftler der TU München arbeiten derzeit zusammen mit dem Deutschen Luft- und Raumfahrtzentrum (DLR) und Fernerkundern der Universität Trier an einem Verfahren, wie der Einsatz der Fernerkundung zur frühzeitigen Erkennung von Trockenstress auf gefährdeten Waldstandorten besser genutzt werden kann. Dabei greifen die Forscher auf Bilder zurück, die von Satelliten oder Flugzeugen aus aufgenommen werden. Sie identifizieren selbst kleinste Veränderungen der Struktur und der Farbe der Bäume. So wollen sie künftig flächendeckend und automatisch erkennen, wann bei Waldbäumen Stress durch Trockenheit entsteht. Neu im Projekt ForDroughtDet ist, dass die sogenannte Anisotropie, die ungleiche Rückstrahlung von Objekten, eingebunden wird. Bisher ist sie bei der Analyse ein Störfaktor und muss aufwendig gefiltert werden. Künftig soll sie aber als zusätzliche Informationsquelle dienen.

Doch wie will man aus der Ferne erkennen, ab wann ein Baum unter Trockenstress leidet, wenn dies schon aus der Nähe betrachtet nur schwer möglich ist? Das gelingt, weil die Experten der Fernerkundung auf das Kroof-Experiment der Münchner Forstwissenschaftler zurückgreifen können. Die Förster schufen 2013 im Kranzberger Forst ein Waldlabor, mit dem sie eine langfristige Trockenheit simulieren können. Dazu rüsteten sie in Teilen des Waldes die Baumschäfte mit neuartigen Glasdachkonstruktionen ein. Fällt Regen, schließen sich diese und öffnen sich wieder nach dem Wetterereignis. Die Bäume sind mit Messsystemen verkabelt, sodass vor Ort genau analysiert werden kann, wie sich die Veränderungen auswirken. Die Fernerkunder können auf den Fotos nun die Veränderungen der Farb- und Blattstruktur genau den verschiedenen Phasen der Trockenheit zuordnen. Ziel des Forschungsprojektes ist es, künftig Waldstandorte mit nicht standortsgerechten Baumarten genau ausfindig zu machen, noch bevor es zum kompletten Ausfall an Beständen kommt. Künftig könnten so wesentlich genauer sogenannte Forst-Risiko-Karten erstellt werden.

Entsprechend können dann Waldbäume gepflanzt werden, die den Trockenstress besser verkraften. Forstwissenschaftler der Universität Freiburg untersuchen zusammen mit Forschern des Karlsruher Instituts für Technologie im Forschungsprojekt BuTaKli - Buchen-Tannen-Mischwälder zur Anpassung von Wirtschaftswäldern an Extremereignisse des Klimawandels die These, ob sich mit der Beimischung von Tannen die Widerstandskraft von Buchen gegenüber extremen Wetterereignissen erhöhen lässt. Insbesondere der Wechsel von anhaltend heiß-trockenen Witterungsphasen mit Starkniederschlägen interessiert die Förster, da im Zuge des Klimawandels vermehrt mit solchen Wetterlagen zu rechnen ist, so genannten „Drying-Wetting-Cycles“. Die Untersuchungen finden im Oberrheingebiet und in Kroatien statt, der südlichen Verbreitungsgrenze von Buchen-Tannen Mischwäldern. So soll das Potenzial der Beimischung von Tanne in Buchenbestände als waldbauliche Anpassungsstrategie an den Klimawandel erfasst werden.

Das Forschungsprogramm folgt der Hypothese, dass Waldökosysteme durch gezielte Steuerung der Pflanzengesellschaften Trockenstress besser ertragen können. So vermuten die Forscher, dass Buchen von benachbarten Tannen profitieren und umgekehrt: Durch ihr luftiges Laubdach und ihren glatten Stamm halten Buchen weit weniger den Niederschlag zurück als Tannen mit ihrer dichten Nadelkrone und ihrer rauen Borke. Es gelangt mehr Regen in den Boden und damit ins Grundwasser. Tannen hingegen transportieren mit ihren tiefen Wurzeln Wasser nach oben, wie eine Art hydraulischer Lift. Lassen sich diese Interaktionen zwischen den beiden Baumarten feststellen, dann wäre dies eine hervorragende Grundlage, um die heimische Tanne als Nadelbaumbeimischung in Buchenwäldern und als Alternative zu Fichte und Douglasie stärker zu nutzen.

Doch auch auf die Fichte, die besonders unter den Klimaveränderungen leidet, soll künftig nicht verzichtet werden. Der „Brot- und Butterbaum" der deutschen Forstwirtschaft zeigt sich in den Reinbeständen besonders anfällig für Trockenheit und Stürme und fällt dem Borkenkäfer zum Opfer. Doch auch hier gibt es Unterschiede. Manche Fichtenbestände scheinen robuster zu sein gegenüber Trockenheit als andere. Unter der Koordination des Thünen-Instituts in Eberswalde versuchen Forscher die Trockenheitsgefährdung und Anpassungspotenziale unterschiedlicher Fichtenpopulationen zu ermitteln. Sie wollen die Populationen und Herkünfte im Verbreitungsgebiet der Fichte ausfindig machen, die besonders widerstandsfähig sind. Von den Bäumen, die unter Trockenheit weiterhin vital bleiben und wachsen, soll dann Saatgut gewonnen und analysiert werden. Mit diesen Daten erhält die Forstwirtschaft ein neuartiges Beurteilungsinstrument, um die Trockenheitstoleranz von Fichten verschiedener Herkunft zu bewerten.

 

Weitere Projekte zum Thema Wald und Klimawandel:

Bereitstellung von leistungsfähigem und hochwertigem Forstvermehrungsgut für den klima- und standortgerechten Wald der Zukunft

Erweiterung des Nutzholzarten-Spektrums im Klimawandel: Trockenstresstoleranz von Nebenbaumarten und Anbaupotenziale in einem trockeneren Klima

Langfristiger Einfluss von Durchforstungseingriffen in Fichtenbeständen auf die Verminderung des Trockenstressrisikos

Regenerationspotential aktiver Erlenpflanzungen und Wasserhaushalt nach Befahrung unter armierten Fahrtrassen

Selektion trockentoleranter Robinien aus internationalen Herkünften für die Energieholzerzeugung

Anbaueignung von Herkünften der Atlaszeder (Cedrus atlantica), Libanonzeder (Cedrus libani) und Baumhasel (Corylus colurna) in Deutschland

Dürre- und Sturmschäden: Die Forstwirschaft muss auf den Klimawandel vorbereiten. Quelle: KIWUH/ M. Kühling
Dürre- und Sturmschäden: Die Forstwirschaft muss auf den Klimawandel vorbereiten. Quelle: KIWUH/ M. Kühling
 
Charta für Holz
 
 
Der Waldbeauftragte des BMEL Cajus Caesar; Bild: Thomas Imo/ photothek.net
Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner mit dem Waldbeauftragten des BMEL, Cajus Julius Caesar.
Bild: Thomas Imo/photothek.net
 
Waldkulturerbe
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