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Kompetenz- und Informationszentrum
Wald und Holz

 

Wissenswertes

 

Forschen für mehr Waldschutz

Mit der Klimaerwärmung prognostizieren Wissenschaftler ein verstärktes Aufkommen an Pflanzenschädlingen in Wäldern. Gleichzeitig steigt in der Gesellschaft die Ablehnung von Insektizid-Einsätzen. Neue Forschungsprojekte sollen neue Pflanzenschutzmethoden entwickeln – und wie man mehr Akzeptanz für Waldschutzmaßnahmen schafft.

Die Nonne, der kleine, schwarz-weiß gesprenkelte Nachtfalter, scheint den Klimawandel zu mögen. Wenn sie und andere wärmeliebende Schmetterlings- und Käferarten, wie etwa der Eichenprozessionsspinner oder auch zahlreiche Angehörige der Familie der Borkenkäfer mit ihrem Hang zur Massenvermehrung auf Wälder treffen, die wiederum durch die Trockenheit geschwächt sind, dann wird´s kritisch. Wie derzeit in Brandenburg, wo große Kiefernbestände bedroht sind, von Nonnenraupen kahl gefressen zu werden. Nach Einschätzung des Landesbetriebs Forst Brandenburg würde dies zu einem flächigen Absterben der Bäume führen. Waldschutzmaßnahmen sind da gefragt.

Klar ist, langfristig sollten derlei Kiefernreinbestände zu stabilen Mischbeständen umgebaut werden. Bereits ein Anteil von zehn Prozent Laubbaumarten senkt das Risiko von Massenvermehrungen erheblich. Doch für den Waldumbau braucht es lange Zeiträume. Und auch die Altkiefern. Sie geben als Schirm jungen Laubbäumen Schutz vor Frost, Sonne und Wind. Um also den Kiefernwald zu retten, setzt der Landesbetrieb Forst Brandenburg Pflanzenschutzmittel ein.

Doch die Auswahl einsetzbarer Insektizide ist zurzeit begrenzt. Weil die Forstwirtschaft Pflanzenschutzmittel relativ selten verwendet – in Brandenburg wurden im Durchschnitt der vergangenen 30 Jahre nur etwa ein Prozent der Fläche jährlich mit Insektiziden behandelt – ist auch die Nachfrage nach speziellen Mitteln und Methoden so gering, dass Pflanzenschutzexperten gar von einem „Medikamentennotstand im Wald“ sprechen. Die Servicestelle zur Verbesserung der Pflanzenschutzmittelverfügbarkeit im Forst an der Bayerischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft sieht die Zulassungssituation von Pflanzenschutzmitteln im Forst als unzureichend. Diese kritische Situation sei in Anbetracht des prognostizierten Klimawandels alarmierend, heißt es aus Bayern.

Die Servicestelle für den Pflanzenschutz im Forst wurde im Rahmen eines vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) geförderten Vorhabens  aus eben diesen Gründen initiiert, eine Dokumentation und Auswertung der Pflanzenschutzverfügbarkeit auszuarbeiten. Derzeit entwickelt und koordiniert die Servicestelle Pflanzenschutzstrategien für den Anwendungsbereich Forst. Der Fokus liegt dabei auch auf nichtchemischen Methoden und Mitteln. Denn neben chemischen Pflanzenschutzmitteln wollen Wissenschaftler den Schutz der Wälder künftig verstärkt mit biologischen und biotechnischen Verfahren erzielen. So arbeiten Wissenschaftler der Nordwestdeutschen Forstlichen Versuchsanstalt an einem biologischen Bekämpfungsverfahren des Kiefernspinners. Sie wollen erproben, wie natürliche Gegenspieler wie etwa Schlupfwespen gezielt vermehrt und großflächig ausgebracht werden können, um so den Massenvermehrungen des Kiefernschädlings frühzeitig entgegenzuwirken.

Aber ebenso bedeutend wie neue Pflanzenschutzmittel ist der gesellschaftliche Dialog: Denn der Einsatz von Insektiziden irritiert viele Menschen in Zeiten des Insektensterbens. Wie kann Akzeptanz in der Bevölkerung geschaffen werden, dass Pflanzenschutzmaßnahmen in Wäldern Voraussetzung sind für den Schutz des nachwachsenden Rohstoffs Holz? Wie lassen sich ökonomische und ökologische Interessen übereinbringen? Das Kompetenz- und Informationszentrum Wald und Holz (KIWUH) der FNR hat daher im April das Forschungsprojekt Forstliche Risiko- und Krisenkommunikation sowie Akzeptanzbildung bezüglich Pflanzenschutzmaßnahmen in Wäldern gestartet, das die Professur für Forstpolitik und Forstliche Ressourcenökonomie der TU Dresden ausführt. Ein Ziel ist es, eine Erhöhung des Informations- und Wissenstandes und eine fachlich fundierte Akzeptanzförderung von Pflanzenschutzmaßnahmen in Wäldern zu erreichen. Denn sicher ist: Pflanzenschutzmaßnahmen im Wald sind ein wichtiger Teil für den Waldschutz der Zukunft – genau wie der Dialog darüber.

Einen Überblick über aktuelle Forschungsprojekte zum Thema Pflanzenschutz finden Sie hier:

Verbundvorhaben: Zukunftsorientiertes Risikomanagement für biotische Schadereignisse in Wäldern zur Gewährleistung einer nachhaltigen Waldwirtschaft mit folgenden Teilprojekten:

Effekte von Insektizidmaßnahmen und natürlichen Störungen auf die Antagonistenfauna in Kiefernwäldern

Waldökologische Forschung zu den Effekten von Insektizidmaßnahmen und natürlichen Störungen auf die Antagonistenfauna in Kiefernwäldern

Forschung zu den langfristigen Auswirkungen von Insektizidmaßnahmen auf Arthropodendiversität und trophische Interaktionen in Eichenwäldern

Erstellung bundeseinheitlicher Leitlinien für den integrierten Pflanzenschutz und Demonstration der Verfahren in Beispielbetrieben

Servicestelle zur Verbesserung der Pflanzenschutzmittelverfügbarkeit im Forst

Die Nonne ist ein Nachtfalter, ihre Raupen gefürchtete Kiefernschädlinge. Bis zu 300 Eier legt jedes Weibchen bevorzugt an Kiefern oder Fichten. Massenvermehrungen  kann man mit chemischen oder biologischen Maßnahmen begegnen. Quelle: CC BY 2.0 Lukas Jonaitis - Original auf Flickr gepostet als Butterfly - Lymantria monacha
Die Nonne ist ein Nachtfalter, ihre Raupen gefürchtete Kiefernschädlinge. Bis zu 300 Eier legt jedes Weibchen bevorzugt an Kiefern oder Fichten. Massenvermehrungen kann man mit chemischen oder biologischen Maßnahmen begegnen. Quelle: CC BY 2.0 Lukas Jonaitis - Original auf Flickr gepostet als Butterfly - Lymantria monacha
 
Charta für Holz
 
 
Der Waldbeauftragte des BMEL Cajus Caesar; Bild: Thomas Imo/ photothek.net
Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner mit dem Waldbeauftragten des BMEL, Cajus Julius Caesar.
Bild: Thomas Imo/photothek.net
 
Waldkulturerbe
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