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Wald und Holz

 

Wissenswertes

 

Klimaschützer Wald und Holz

Der Wald beeinflusst das Klima. Seine Pflanzen entziehen der Atmosphäre das klimawirksame Gas Kohlendioxid (CO2) und binden es. So entsteht eine Kohlenstoffsenke, die sich sogar noch ausweiten lässt. Doch wie funktioniert das?

Bildlich kann man sich den Wald wie ein Speichersystem aus drei großen Gefäßen vorstellen. Das erste besteht aus den Pflanzen, der lebenden Biomasse. Blätter, Nadeln und das Holz bilden ein Reservoir für Kohlenstoff. Zuwachs an Biomasse bedeutet, dass sich das Speicherbecken füllt.

Stirbt die Biomasse ab, dann verbleibt der Kohlenstoff zunächst im zweiten Speichergefäß aus toter Biomasse. In Streu und Totholz wird er so lange gebunden, bis er durch Verrottungsprozesse freigesetzt wird – oder durch Verbrennung. Dann gelangt er als Gas in Form von CO2 wieder in die Atmosphäre.

Auch dem dritten großen Speicher, dem Waldboden, wird kontinuierlich lebende und tote Biomasse zugeführt, in komplexen Abbauprozessen über einen langen Zeitraum gebunden und schließlich nach Jahrhunderten oder gar nach Jahrtausenden wieder freigesetzt.

Je nach Qualität des Waldbodens oder der Zusammensetzung der Baum- und Pflanzenarten und der Menge an Totholz, lässt sich im Wald also mehr oder weniger Kohlenstoff speichern. Die Form der Bewirtschaftung hat darauf großen Einfluss. So haben Forscher herausgefunden, dass ein Waldboden nach einem Kahlschlag große Mengen an CO2 emittiert.

Doch das Bild mit den Speichergefäßen verdeutlicht auch, dass selbst bei optimalen Bedingungen das Speichervermögen für Kohlenstoff in einem Wald begrenzt ist. Es lässt sich aber vergrößern, indem ein weiteres Gefäß hinzugefügt wird: Die Holznutzung. Fällt man in einem Wald einen Baum und lässt statt seiner neue nachwachsen, wie es in einer nachhaltigen Forstwirtschaft der Fall ist, dann wird über diesen Biomassezuwachs der Atmosphäre wieder CO2 entzogen, aber weder der Totholzspeicher noch der Waldbodenspeicher werden beansprucht.

Verarbeitet man den Baum zu einem Holzprodukt und nutzt ihn etwa im Hausbau, so trägt diese Holznutzung zusätzlich zur Bindung des Klimagases CO2 bei – eine Kohlenstoffsenke. Und dies kann über einen langen Zeitraum geschehen: Selbst wenn ein Haus baufällig wird, lassen sich aus alten Balken und Bohlen im Anschluss noch kunstvolle Möbel herstellen. Und am Ende, wenn alle stofflichen Nutzungspfade ausgeschöpft sind, kann Holz als Energielieferant dienen. Man nennt dies eine Kaskadennutzung.

Zudem ersetzt Holz andere Materialien (wie Stahl, Beton und Plastik), die zum Teil energieaufwendig und damit klimaschädlich hergestellt werden und nicht nachwachsen. Dieser sogenannte Substitutionseffekt vervielfacht die Klimaschutzleistung sogar noch. 

Die Kaskadennutzung von Holz soll einen Beitrag leisten, dass Deutschland, wie von der Bundesregierung geplant, bis 2050 klimaneutral wird. Doch die genauen Auswirkungen sind längst noch nicht geklärt. Zwar wurden bereits einige Studien zur Ökobilanzierung über die Nutzungskaskade von Holz durchgeführt, doch die verfügbaren Berechnungsmodelle beschränken sich auf die forstlichen Produktionsprozesse und die ersten Verarbeitungsschritte.

So blieben bisher die Weiterverarbeitung und die Entsorgungsprozesse noch zu wenig beachtet. Insbesondere die für die Kaskadennutzung relevante Altholzverwertung mit ihrer stofflichen und energetischen Nutzungskette ist aber interessant.

Daher fördert das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) über seinen Projektträger Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e.V. (FNR) das Forschungsvorhaben „Auswirkungen der Kaskadennutzung von Holz auf die Umweltbilanz der nationalen Forst- und Holzbranche in Abhängigkeit von marktwirtschaftlichen und zeitlichen Effekten“, welches von der Universität München koordiniert wird. Gegenstand des Vorhabens, das im Oktober 2019 startet, ist die Untersuchung der zeitlichen Effekte der Kohlenstoffspeicherung als auch der marktwirtschaftlichen Verschiebungen im Energie- und (Nicht-) Holzproduktesektor bei Holzkaskadensystemen.

Kaskadennutzung und ökobilanzielle Bewertung von Holz sind wichtige Aspekte in verschiedenen Handlungsfeldern der Charta für Holz 2.0. Die Wissenschaftlichen Beiräte beim Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) fordern, dass die Wissenschaft Methoden zur Bewertung der in Kaskaden geführten Stoffströme entwickeln muss. Die FNR hat dies mit einem Forschungsaufruf zum Themenbereich „Ausbau der Material- und Energieeffizienz in der Holzverwendung verbunden. Zahlreiche Projektskizzen liegen vor: Sie können den Weg bereiten, für eine intelligente Holznutzung und damit für mehr Klimaschutz.

Weitere interessante Projekte zum Thema:

Bewertung der Auswirkungen der Holzverwendung im Bausektor

Ökobilanzierung von Gebäuden

Ökobilanzrechnung

 

Auch im Rahmen des Waldklimafonds wurden zahlreiche Projekte initiiert, die sich mit der CO2-Speicher- und Senkenfunktion von Wäldern sowie der Vermeidung von Treibhausgasmissionen befassen. Und auch der Totholz-Kohlenstoffvorrat ist von Interesse. Zum Thema Klimaschutzwirkung von Wald und Holz wurde bereits einiges Wissen zusammengetragen, es gibt aber noch Forschungsbedarf in diesem weiten und spannenden Forschungsfeld.

 

 
Charta für Holz
 
 
Der Waldbeauftragte des BMEL Cajus Caesar; Bild: Thomas Imo/ photothek.net
Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner mit dem Waldbeauftragten des BMEL, Cajus Julius Caesar.
Bild: Thomas Imo/photothek.net
 
Waldkulturerbe
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