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Nachhaltigkeit hat viele Väter

Exkurs zum 305. Todestag des Hans Carl von Carlowitz am 6. März

Von Carlowitz? Das ist doch der Erfinder der Nachhaltigkeit! Er ist es – und er ist es nicht.

Johann „Hannß“ Carl von Carlowitz (1645-1714), Sohn eines Oberforstmeisters, studierter Staats- und Rechtswissenschaftler, königlich-polnischer und kurfürstlich-sächsischer Kämmerer und Bergrat, verinnerlicht bereits als Mitzwanziger auf seiner fünfjährigen Reise durch etliche europäische Länder, dass Holz im Europa des 17. Jahrhunderts ein äußerst knapper Rohstoff ist. Riesiger Brennholzbedarf, Siedlungsbau und Landwirtschaft, Salz- und Erzbergbau, Glas- und Eisenhütten, Schiffbau, Kriege und Brände haben die Wälder seit dem Mittelalter stark dezimiert. Angesichts permanent drohender Holznot wird um diese Zeit das Prinzip der nachhaltigen Waldbewirtschaftung geboren – und die Forstwissenschaft begründet.

Hans von Carlowitz, seit 1711 Oberbergrat des Erzgebirges und zuständig auch für die Holzversorgung des kursächsischen Berg- und Hüttenwesens, trägt das forstliche Wissen seiner Zeit zusammen und ergänzt es um seine auf Reisen gesammelten Kenntnisse europäischer Forstpolitik. Seine „Sylvicultura oecomica, oder haußwirthliche Nachricht und naturgemäße Anweisung zur Wilden Baum-Zucht“ setzt dem Raubbau der Wälder Anweisungen entgegen, die es erlauben, „daß es eine continuirliche, beständige und nachhaltende Nutzung gäbe“.

Carlowitz selbst verweist darauf, dass er für sein 1713 verlegtes Werk unter anderem das unter Ludwig XIV. Ende der 1660er-Jahre vorangetriebene Reformprojekt zum reduzierten Holzeinschlag und zur Wiederherstellung und Erhaltung von Hochwald studiert habe: In den Verordnungen König Ludwigs sei bereits „das gantze Summarium“ seiner eigenen Arbeit zu enthalten.

Fast zeitgleich entwickeln sich also außerhalb deutscher Lande ebenso Ansätze der „Nachhaltigkeit“. Im Inselstaat Japan gar ordnet nach massiven Abholzungen, Bodenerosion, Überschwemmungen und Hungersnöten der Shogun bereits 1666 Wiederaufforstungen an. Bis 1700 führt das Land ein streng reglementiertes Forstverwaltungssystem ein; die Forstwissenschaft wird staatlich gefördert.

In Deutschland tragen nach Carlowitz‘ Tod u.a. die Forstwissenschaftler Georg Ludwig Hartig (1764-1837) und Johann Heinrich Cotta (1763-1843) zur Schärfung der Nachhaltigkeitsprinzipien bei. Seit dem 20. Jahrhundert umfasst der Begriff Nachhaltigkeit ökologische, ökonomische und soziale Aspekte.

In der Helsinki-Resolution von 1993 wird die nachhaltige Waldwirtschaft definiert als

die Behandlung und Nutzung von Wäldern auf eine Weise und in einem Ausmaß, das deren biologische Vielfalt, Produktivität, Verjüngungsfähigkeit, Vitalität sowie deren Fähigkeit, die relevanten ökologischen, wirtschaftlichen und sozialen Funktionen gegenwärtig und in der Zukunft auf lokaler, nationaler und globaler Ebene zu erfüllen gewährleistet, ohne anderen Ökosystemen Schaden zuzufügen.

Was nun Hans Carl von Carlowitz betrifft, so hat er allerdings dem Begriff Nachhaltigkeit zur unstrittigen Ehre verholfen, forstlich-bergmännischen Ursprungs zu sein…

Sylvicultura oecomica Quelle: SLUB Dresden
Sylvicultura oecomica Quelle: SLUB Dresden
 
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