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Nachhaltiger Waldbau auf kleinen Parzellen

Informationssystem zur Forsteinrichtung und Betriebsplanung im Privatwald

Die Entwicklung eines modularen Informationssystems zur Unterstützung der Forsteinrichtung und Betriebsplanung im kleinparzellierten Nicht-Staatswald ist das Ergebnis des Verbundprojektes INKA. In dem Projekt kooperierten drei Forschungseinrichtungen mit einem Unternehmen aus der Privatwirtschaft und zwei forstlichen Praxispartnern. Das Vorhaben wurde vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft mit Mitteln aus dem Förderprogramm Nachwachsende Rohstoffe unterstützt.

Das Forstliche Forschungs- und Kompetenzzentrum Gotha der ThüringenForst Anstalt öffentlichen Rechts, die Nordwestdeutsche Forstliche Versuchsanstalt (NW-FVA), die Abteilung für Forstökonomie der Universität Göttingen und die INTEND Geoinformatik GmbH entwickelten zwischen 2018 und 2021 den Demonstrator einer Plattform, die Satellitendaten mit mobil erfassten Informationen verbindet, um Waldzustände zu dokumentieren. Das System unterstützt die Inventur, die betriebliche Planung und die Dokumentation des Betriebsvollzuges und erleichtert das Flächenmanagement.

Der innovative Ansatz des auf dem Demonstrator basierenden künftigen INKA-Forstinformationssystems liegt in der Verknüpfung bereits zur Verfügung stehender forstplanerischer Werkzeuge in einem übergeordneten IT-gestützten Prozess. Damit ermöglicht die INKA-Toolbox auch kleineren Forstbetrieben ohne eigenes Fachpersonal und leistungsfähige IT-Technik die effektive Bewertung ihrer Bestände und derer Entwicklungsmöglichkeiten, um passende waldbauliche Strategien abzuleiten.

Tafelwerk, Laserscanner und Drohnenflug: Software verarbeitet Daten aus vielen Quellen

Zur Darstellung der Bestände werden Satellitendaten in 0,1 Hektar große Hexagone zerlegt, die Informationen über Baumart, Mischbestand und Geländemodell liefern. Messdaten aus Laserscanning- und Drohnenverfahren können die Satellitendaten ergänzen. Szenarien für die forstwirtschaftliche Nutzung des Waldbestandes kann der Anwender über eine Schnittstelle zum Softwarepaket TreeGrOSS der NW-FVA abbilden.

Die über die Schnittstelle verknüpfte TreeGrOSS-Software ermöglicht es, Zuwachsschätzungen und Vorratsprognosen in Rein- und Mischbeständen sowohl über den Waldwachstumssimulator der NW-FVA als auch auf der Basis von Ertragstafeln abzurufen. Passende regionale Tafelwerke werden von der Software automatisch ermittelt und fehlende Eingangsdaten ergänzt.

Zur Verwaltung der Sach- und Geodaten entwickelten die Projektbeteiligten eine exemplarische Datenbankstruktur für das INKA-Portal. Für die Primärdatenerfassung testeten sie außerdem den Einsatz von Handlaserscannern und Forst-Drohnen. Beide Verfahren erweisen sich als zeitsparende und zuverlässige Alternative zu klassischen Forsteinrichtungsmethoden – etwa bei der Bestimmung von Baumhöhen, Brusthöhendurchmesser und Stammzahl.

Den im Projekt entwickelten Demonstrator des forstlichen Informationssystems erprobten die Beteiligten anhand von Waldflächen-Daten des Kranbergs in Thüringen. Bestehende Forsteinrichtungsdaten konnten die Qualität der gewonnenen Daten verifizieren.
Der Demonstrator stellt die Grundlage für ein forstliches Informationssystem zur Ableitung waldbaulicher Szenarien und alternativer Bestandesbehandlungsstrategien dar.

Neben privaten Waldbesitzern und waldbesitzenden Kommunen können auch forstliche Betriebsgemeinschaften und Zusammenschlüsse, Landesforstverwaltungen, Forsteinrichter und die Holzindustrie von dem forstlichen Informationssystem profitieren.

Hintergrund:
Klima- und kalamitätsbedingt verliert die klassische Forsteinrichtung mit ihrem zehnjährigen Planungszyklus an Bedeutung. Gefragt sind Momentaufnahmen, die den aktuellen Zustand des Waldes dokumentieren. Moderne Verfahren wie Drohnenbefliegungen und der Einsatz von Laserscannern gewinnen bei der Informationsbeschaffung ebenso an Bedeutung wie die forstspezifische Auswertung von Satellitendaten und das Ableiten zukunftsorientierter Szenarien auf dieser Daten-Basis. Das Projekt INKA hat diese Techniken und Verfahren in einem Portal zusammengeführt.

Erstmals praktisch erprobt wurde das System auf Privatwald- und Kommunalwaldflächen im Thüringischen Bad Salzungen bei der Inventur durch Extremwetterereignisse und Borkenkäfer geschädigter Waldbestände. Dabei entstand u. a. ein Schema zur Bestandsvermessung und zur Planung der Wiederbewaldungsmaßnahmen.

Die FNR ist seit 1993 als Projektträger des BMEL für das Förderprogramm Nachwachsende Rohstoffe aktiv. Sie unterstützt außerdem Forschungsthemen in den Bereichen nachhaltige Forstwirtschaft und innovative Holzverwendung.

Weitere Informationen:

Verbundvorhaben: Integriertes forstliches Informationssystem für den kleinparzellierten Nicht-Staatswald (Akronym: INKA)

Teilvorhaben 1: Forsteinrichtungsportal; INTEND Geoinformatik GmbH Kassel
https://www.kiwuh.de/index.php?id=13475&fkz=22004117

Teilvorhaben 2: Primärdatenerfassung und Validierung; ThüringenForst - Anstalt öffentlichen Rechts - Forstliches Forschungs- und Kompetenzzentrum Gotha
https://www.kiwuh.de/index.php?id=13475&fkz=22023417

Teilvorhaben 3: Betriebswirtschaftliche Strategie; Georg-August-Universität Göttingen - Fakultät für Forstwissenschaften und Waldökologie - Burckhardt-Institut - Forstökonomie und Forsteinrichtung
https://www.kiwuh.de/index.php?id=13475&fkz=22024517

Teilvorhaben 4: Forsteinrichtungsservices; Nordwestdeutsche Forstliche Versuchsanstalt Göttingen
https://www.kiwuh.de/index.php?id=13475&fkz=22024217

Fachlicher Ansprechpartner: 
Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e.V.
Dr. Carina Sucker
Tel.:        +49 3843 6930-332
E-Mail:   c.sucker(bei)fnr.de
 

Pressekontakt:
Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e.V.
Martina Plothe
Tel.:        +49 3843 6930-311
Mail:       m.plothe(bei)fnr.de

PM 2022-74

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Jan Seidemann von ThüringenForst startet zur Datenerhebung für das INKA-Projekt eine Drohnenbefliegung, Bild: ThüringenForst/H. Lux

Jan Seidemann von ThüringenForst startet zur Datenerhebung für das INKA-Projekt eine Drohnenbefliegung, Bild: ThüringenForst/H. Lux

 

ThüringenForst-Mitarbeiter Harald Lux ermittelt den Brusthöhendurchmesser an Bäumen (BHD) mit einem mobilen Laserscanner. Bild: ThüringenForst/: J. Seidemann

ThüringenForst-Mitarbeiter Harald Lux ermittelt den Brusthöhendurchmesser an Bäumen (BHD) mit einem mobilen Laserscanner. Bild: ThüringenForst/: J. Seidemann