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Fachkompetente Stimmen zum Thema Waldbau im Klimawandel

Die Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e. V. (FNR) betreut derzeit über 1000 Forschungs- und Entwicklungsprojekte, tausende Wissenschaftler forschen zu Themen des Förderprogramms "Nachwachsende Rohstoffe" (FPNR) und der Förderrichtlinie Waldklimafonds (WKF). Daher stehen wir in Kontakt mit den Menschen mit ausgewiesener Fachkompetenz auf ihrem Fachgebiet, sind im Austausch mit den Wissenschaftlern und Experten, die herausfordernde Aufgaben und Probleme zielorientiert, sachgerecht, methodengeleitet lösen und das Ergebnis beurteilen können. Hier geben wir ihnen eine Stimme:  

 


 

"Bränden schon beim Waldbau vorbeugen"

Drei Fragen an ... Alexander Held, Senior-Experte für forstliches Risikomanagement, European Forest Institute (EFI)

FNR: Seit Anfang Mai 2020 erarbeiten Sie am European Forest Institute zusammen mit der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg ein „Angepasstes Wald- und Feuermanagement im Klimawandel“. Das bedeutet, das Waldbrandmanagement wird beim Waldbau berücksichtigt?

Alexander Held: Ja. Waldbewirtschaftung und Waldbrandbekämpfung zu einem integrierten Waldbrandrisikomanagement zusammenzuführen, ist eines der Projektziele. Entwickeln wird der Forschungsverbund unter anderem präventive Waldbau- und präventive Feuerwehrkonzepte mit ganz neuen Ausbildungs- und Trainingsmodulen, die auf geeigneten Demonstrationsflächen praktisch erprobt werden. Die neuen Konzepte basieren auf internationalem Wissen zur Waldbrandprävention. Mit Handlungsempfehlungen für Waldbrandprävention und -bekämpfung schaffen wir den Rahmen für eine nationale Waldbrandstrategie. Eine solche Strategie schärft das Risikobewusstsein bei den Akteuren von Forst und Feuerwehr wie in der Gesellschaft. Jedem muss klar sein: Der Wald im Klimawandel ist nach heißen, trockenen Sommern, Sturmschäden und Käferbefall viel verwundbarer durch Waldbrände als noch vor Jahrzehnten. Deshalb ist die Anpassung der Wälder an dieses neue Risiko in Deutschland so akut und dringlich.

FNR: Mit welchen neu entwickelten Forstschutzmaßnahmen lässt sich Waldbränden vorbeugen bzw. das Schadensausmaß begrenzen?

Held: Bisherige Konzepte waren zu oft limitiert auf den Aspekt der Feuerbekämpfung. Künftig muss präventiven Maßnahmen mehr Aufmerksamkeit zukommen. Dazu gehören eine gute Walderschließung, die Einsatzfahrzeugen leichten Zugang zu einem Waldbrand gewährt, die Erstellung von Waldbrandeinsatzkarten und das Anlegen von Feuerschneisen, Brandschutzriegeln, Löschteichen und Pflugstreifen entlang von Straßen bzw. Bahnlinien. Dem kontrollierten Brennen kommt in der Waldbrandprävention ebenfalls eine strategisch wichtige Rolle zu. Dafür bedarf es aber einer fundierten Ausbildung und Praxiserfahrung. Waldbauliche Maßnahmen hin zu klimaresilienteren Beständen sind ein längerfristigeres Ziel. Der Waldumbau hin zu strukturreicheren Mischwäldern mit typischem Waldinnenklima kann hier einen wichtigen Beitrag zur Verringerung der Waldbrandgefahr leisten.

FNR: Welche Auswirkungen haben Feuer auf Flora und Fauna?

Held: Nach einem Feuer geht man von einer fünf- bis siebenjährigen Rekreierungsphase des Bodens und der Mykorrhiza aus, je nach Intensität. Ohne Humusauflage speichert der Boden weniger Wasser, beim Brand freigesetzte Mineralien werden eingewaschen. In dieser Zeit wächst auf der Brandfläche kein Baum gut. Zunächst siedeln sich Kräuter, Gräser, Sträucher an. Insekten- und Vogelwelt variieren mit der Begrünung, bis der Wald wieder die Oberhand hat.  Also lieber etwas abwarten, statt sofort wieder aufzuforsten.
 

Zur Person:

Alexander Held, geboren 1975 in Augsburg, Forstwissenschaftler, forschte unter Prof. Johann Goldammer in der Arbeitsgruppe Feuerökologie am Max-Planck-Institut für Chemie zu natürlichen und menschengemachten Vegetationsbränden und deren ökologischen wie gesellschaftlichen Auswirkungen.

Als Mitglied der Arbeitsgruppe Feuerökologie sammelte Held unter anderem in Südafrika, den USA, und Europa praktische Erfahrungen im Feuermanagement. Er konnte dadurch die Wissenschaft mit internationalen, operativen Qualifikationen kombinieren.

Seit 2011 unterstützt Alexander Held als Experte das forstliche Risikomanagement des European Forest Institute (EFI) in Bonn mit den Schwerpunkten Vegetationsbrand und Waldbau.

Tel.: +49 (0)173 6293093

E-Mail: alexander.held(bei)efi.int 

Weitere Informationen: www.waldbrand-klima-resilienz.com

 

Zum Projekt:

Das Verbundvorhaben „Angepasstes Wald- und Feuermanagement im Klimawandel (Waldbrand-Klima-Resilienz)“ wird von den Bundesministerien für Landwirtschaft und Ernährung (BMEL) und für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU) mit Mitteln aus dem Waldklimafonds gefördert. Koordiniert wird das Vorhaben von der Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e. V. (FNR).

Das Projekt besteht aus den Teilvorhaben 1 des European Forest Institute (EFI)

und 2 der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg.

Links zum Verbundvorhaben: Angepasstes Wald- und Feuermanagement im Klimawandel (Waldbrand-Klima-Resilienz)

Teilvorhaben 1:

https://www.fnr.de/index.php?id=11150&fkz=2219WK61A5

Teilvorhaben 2:

https://www.fnr.de/index.php?id=11150&fkz=2219WK61B5

 

Pressekontakt:
Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e.V.
Martina Plothe
Tel.: +49 3843 6930-311
E-Mail: m.plothe(bei)fnr.de


 

Forstwissenschaftler und Feuerökologe Alexander Held ist Experte für forstliches Risikomanagement am European Forest Institut. Foto: privat
Forstwissenschaftler und Feuerökologe Alexander Held ist Experte für forstliches Risikomanagement am European Forest Institut. Foto: privat
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