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Wald und Holz

 

Wissenswertes

Artenschutz im Wald

In Deutschlands Wäldern gibt es fast 200 Baum- und Straucharten, mehr als 1.000 krautige Pflanzenarten, fast 700 verschiedene Moose und mehr als 1.000 verschiedene Flechten- sowie ungezählte Pilzarten. Und vom Rothirsch bis zur Zwergspitzmaus leben in Deutschlands Wäldern 140 verschiedene Wirbeltierarten.

Viele seltene und bedrohte Tier- und Pflanzenarten sind auf naturnahe und strukturreiche Wälder als Lebensraum angewiesen und in ihrem Bestand bedroht. Jährlich wird global am 3. März mit dem WorldWildlifeDay auf die Artenschutzproblematik aufmerksam gemacht.

Die Gesamtzahl an Arten geht weltweit und auch in Deutschland dramatisch von Jahr zu Jahr zurück. Von den einheimischen Tierarten sind in Deutschland 35 % in ihrem Bestand gefährdet, von den Pflanzenarten 26 %. Rund 34.000 Arten sind derzeit vom Aussterben bedroht (Quelle: BMU)

Großraubtiere wie Wolf, Bär und Luchs sind nach Naturschutzrecht sowohl national als auch international streng geschützt. Sie haben einen vergleichsweise großen Raumbedarf und erhalten von Naturschutzbehörden sowie der Gesellschaft viel Aufmerksamkeit.

Aber auch kleinere Säugetiere wie die Europäische Wildkatze, Vögel z.B. der Schwarzstorch oder das Auerhuhn, zahlreiche Insekten wie z.B. Panzers Wespenbock und der Große Eichenbock und natürlich auch viele Bäume, Stauden bzw. Gräser, Flechten und Moose sind für die heimische Biodiversität und artenschutzrechtlich von großer Bedeutung.

Wälder, die durch eine nachhaltige Bewirtschaftung reich an verschiedenen Baumarten und Altersstrukturen sind und einen hohen Anteil an Alt- und Totholz aufweisen, bieten auch eine besonders hohe Biodiversität. Im Rahmen der multifunktionalen Forstwirtschaft wird in Deutschland für den Natur-und Artenschutz auf der gesamten Waldfläche immer mehr getan. Dazu gehören:

  • Erhalt von Biotopbäumen, derzeit gibt´s 1 Million markierte deutschlandweit
  • Laut Bundeswaldinventur 2012 gibt es im deutschen Wald 93 Millionen Bäume mit ökologisch bedeutsamen Merkmalen (im Durchschnitt 9 pro Hektar).
  • Rund 22 Millionen Specht- oder Höhlenbäume und 741.000 Horstbäume
  • Totholz auf ganzer Fläche; aktuell 20,6 Kubikmeter pro Hektar
  • Die Berücksichtigung von Nachhaltigkeitsprinzipien bei der Nutzung von
    Holz und Boden
  • Mehrjährige Nutzungsintervalle und damit Eingriffspausen für
    den Wald
  • Weitgehender Verzicht auf Kahlschläge
  • Verzicht auf überproportional nährstoffzehrende oder bodenschädliche
    Nutzungen
  • Naturverjüngung; derzeit bereits 85 Prozent Anteil an Jungbestockung
  • Verzicht auf Düngemittel
  • Integrierter Pflanzenschutz und minimaler Einsatz von Pflanzenschutzmitteln.

Das BMEL und BMU fördern über die FNR etliche Projekte, die den Artenschutz im Wald und Offenland mit in den Fokus setzen.

Im Herbst 2018 startete die Landesforstanstalt Mecklenburg-Vorpommern mit InsHabNet ein vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) gefördertes Modellprojekt zum Schutz von Waldinsekten, deren Populationen durch fragmentierte Lebensräume als gefährdet gelten. Jetzt liegt eine erste Auswertung der entomologischen Untersuchungen vor, die für erfreuliche Überraschungen sorgte.

Ein weiteres großes Ziel des BMEL ist, das massive Eschentriebsterben einzudämmen. Über seinen Projektträger, die FNR, fördert es aktuell zwei Verbundvorhaben zum Thema Eschentriebsterben. Mit einem biologischen Kontrollsystem zur Regulierung des Erregers des Eschentriebsterbens befassen sich das Leibnitz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF) e. V. und das Thünen-Institut (TI). Im zweiten Vorhaben „ResEsche“ arbeiten die Landesforst Mecklenburg-Vorpommern und das Institut für Forstgenetik des Johann Heinrich von Thünen-Instituts arbeiten daran, eine Samenplantage zur Erzeugung von resistentem Eschensaatgut aufzubauen. Weitere Informationen zu beiden Vorhaben finden Sie in der Projektdatenbank der FNR unter den  Förderkennzeichen 22006116 und 22028616 (Verbundvorhaben 1)  sowie  22019815 und 22019915 (Verbundvorhaben 2).

Einen weiteren Teil der Anstrengungen bildet der Ende 2017 vom BMEL ins Leben gerufene Koordinierungskreis, der die Aktivitäten und Maßnahmen zum Erhalt der Gemeinen Esche bündelt und den aktuellen Forschungsbedarf ermittelt.

Aber auch weniger wirtschaftlich relevante Baumarten wie Wildapfel, Elsbeere, Speierling, Mehlbeere und Feldahorn, die eine hohe Bedeutung für die Artenvielfalt und den Klimaschutz bilden, werden innerhalb des Projektes SILVITI- Silvicultura statt Viticultura gezielt gefördert.

Weitere Infos zum Tag des Artenschutzes: Official website of UN World Wildlife Day

Lesen Sie auch: Totholz – Für Biodiversität und Klimaschutz

 

 

 

Vom Niederwald bis zum Hochwald: Hirschkäfer und Co sind Beispiele für typische Waldbewohner, die wiederum auf die Vielfältigkeit unserer Wälder angewiesen sind – auf Biodiversität. Foto: Pixabay/Cimabue

Vom Niederwald bis zum Hochwald: Hirschkäfer und Co sind Beispiele für typische Waldbewohner, die wiederum auf die Vielfältigkeit unserer Wälder angewiesen sind – auf Biodiversität. Foto: Pixabay/Cimabue

Die Europäische Wildkatze lebt in naturnahen Wäldern und ist im Nationalpark Eifel und Harz wieder anzutreffen. Sie profitierte auch vom Grünbrückenbau in den vergangenen Jahren. Foto: stock.adobe.com/Xaver Klaussner

Die Europäische Wildkatze lebt in naturnahen Wäldern und ist im Nationalpark Eifel und Harz wieder anzutreffen. Sie profitierte auch vom Grünbrückenbau in den vergangenen Jahren. Foto: stock.adobe.com/Xaver Klaussner

Der Schwarzstorch ein Bewohner alter naturnaher Laubmischwälder mit Gewässern Foto: Pixabay/Tee-Farm

Der Schwarzstorch ein Bewohner alter naturnaher Laubmischwälder mit Gewässern Foto: Pixabay/Tee-Farm

Das Auerhuhn lebt fern vom Menschen in alten strukturierten Nadelwäldern und ist sehr selten geworden. Es hat hohe Ansprüche an seinen Lebensraum. Eine ausgeprägte Bodenvegetation sowie Ameisennester und Heidelbeeren sind für es essentiell. Foto: stock.adobe.com/MEISTERFOTO

Das Auerhuhn lebt fern vom Menschen in alten strukturierten Nadelwäldern und ist sehr selten geworden. Es hat hohe Ansprüche an seinen Lebensraum. Eine ausgeprägte Bodenvegetation sowie Ameisennester und Heidelbeeren sind für es essentiell. Foto: stock.adobe.com/MEISTERFOTO

Panzers Wespenbock - Eine Urwaldreliktart in MV wieder entdeckt Foto: Siga/ commons.wikipedia.org

Panzers Wespenbock - Eine Urwaldreliktart in MV wieder entdeckt Foto: Siga/ commons.wikipedia.org

Vitale Eschen werden immer seltener. Sie sind von einem Schlauchpilz bedroht, der aus Ostasien stammt. Foto: NW-FVA

Vitale Eschen werden immer seltener. Sie sind von einem Schlauchpilz bedroht, der aus Ostasien stammt. Foto: NW-FVA

Der Wildapfelbaum ist einer der seltensten Bäume in Deutschland. Auch ohne wirtschaftliche Bedeutung ist er durchaus schützenswert, um den Waldbestand widerstandsfähiger für Klimaveränderungen & Schädlingen zu machen. Foto: Pixabay/nenneinszweidrei

Der Wildapfelbaum ist einer der seltensten Bäume in Deutschland. Auch ohne wirtschaftliche Bedeutung ist er durchaus schützenswert, um den Waldbestand widerstandsfähiger für Klimaveränderungen & Schädlingen zu machen. Foto: Pixabay/nenneinszweidrei

Der Gelbe Frauenschuh ist eine der prächtigsten wildwachsenden Orchideenarten Europas und steht in allen Ländern unter Schutz. Bevorzugt wächst er in schattigen Laubwäldern z.B. alten Buchenwäldern. Foto: Pixabay/AngelaL

Der Gelbe Frauenschuh ist eine der prächtigsten wildwachsenden Orchideenarten Europas und steht in allen Ländern unter Schutz. Bevorzugt wächst er in schattigen Laubwäldern z.B. alten Buchenwäldern. Foto: Pixabay/AngelaL

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