Kompetenz- und Informationszentrum
Wald und Holz

 

Wissenswertes

Virtuell durchs Unterholz

Digitalisierung in der Forstwirtschaft

Digitaler Zwilling, Künstliche Intelligenz oder Big Data: Das sind Schlagworte einer digitalen Technologie, die Einzug in die Forstwirtschaft hält. Projekte zur Digitalisierung fördert das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) über ihren Projektträger, die Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e. V. Die FNR koordiniert ebenfalls für die Akteure des Clusters Forst und Holz den „Runden Tisch Digitalisierung“ mit dem Ziel, Schnittstellen und Kommunikationsbrüche zu identifizieren und Standards einzuführen

Bereits in den 1990er Jahren gab es in der Forstwirtschaft Diskussionen, wie Schnittstellen entlang der Wertschöpfungskette Holz verbunden und reibungslose Kommunikationsketten etabliert werden können – vom Forstbetrieb bis zum Sägewerk, von der Eiche bis zum Eichenschrank.

Digitalisierung – ein Aspekt in der Waldstrategie 2050

Digitalisierung bedeutet die Umwandlung von analogen Werten in digitale Formate und ihre Verarbeitung, Speicherung und Verteilung in einem digitaltechnischen System.

Die Waldstrategie 2050 strebt die digitale Transformation in allen Bereichen der Forstwirtschaft an. Insbesondere von Bedeutung sind die Schnittstellen zu den weiterverarbeitenden Betrieben der Holzwirtschaft sowie eine zentrale Grundlage für besseres betriebliches Management und die Optimierung der holzgebundenen Wertschöpfungsketten vom Wald über das Werk zum Kunden. Digitale Daten helfen beispielsweise auch, die Biodiversität im Wald sowie die Qualität und die Nutzung von Erholungsinfrastruktur sowie Rettungspunkten zu erfassen.

Meilensteine bis 2030:

  • Digitalisierung im Cluster „Forst und Holz“.
  • Hemmnisse der Digitalisierung im Waldbereich abgebaut und Potenziale genutzt.
  • Ausbau des Breitband- und Mobilfunks im Wald umgesetzt.
  • Digitalisierung der gesamten Produkt- und Wertschöpfungskette vollzogen
 

Von ELDATSmart bis DRMDat: Digitallösungen für Wald und Holz

Seitdem hat sich viel getan: 2002 wurde der „Elektronische Datenstandard für Holzdaten“ ELDAT von den Dachverbänden der Holz- und Forstbranche (DHWR und DFWR) eingeführt, um den Datenaustausch in der Holzlogistikkette zu vereinfachen, der mit ELDATsmart 2018 erneuert wurde. Um den Erfordernissen des zunehmenden internationalen Waren- und Datenstromes Rechnung zu tragen und eine wirklich grenzenlose Branchenkommunikation zu ermöglichen, floss dieser deutsche Standard in eine mit Österreich gemeinsam erarbeitete Weiterentwicklung ein, den ersten mitteleuropäischen Datenstandard DRMdat.

Ein Schritt in Richtung europäischer Standard.

Mit DRMdat sei nun der erste Schritt hin zu einer europaweiten, einheitlichen Datenübermittlung im Cluster Forst und Holz gelungen, so der Tenor der Projektpartner. Probleme bei der Informationsverarbeitung aufgrund verschiedener Datenstrukturen oder unterschiedlicher Bezeichnungen in den Standards der einzelnen Länder gehören nun der Vergangenheit an. Der neue Datenstandard DRMdat ermöglicht es, für jeden Anwender die für die jeweiligen Prozesse notwendigen Informationen auszutauschen, sodass aufwendige Zwischenschritte zur Übersetzung und Verarbeitung entfallen.

Digitalisierung in allen Bereichen

Neben den Standardisierungsbemühungen entstanden zahlreiche Software-Lösungen für einzelne Bereiche in der Forstwirtschaft, etwa die Navigationsdatenbasis der Holzfuhrunternehmen „NavLog“ oder verschiedene Programme zur Vermessung von Holzpoltern für die Forstbetriebe, die neben maschinellen Harvestermaßen beziehungsweise international verbreiteten Forstmaschinen-Standards wie „StandForD“ genutzt werden. So gibt es mittlerweile Digital-Lösungen für nahezu alle Teilbereiche. Es hapert am Zusammenspiel der Prozesse. Daher wurde auf Initiative des BMEL unter Regie der FNR ein „Runder Tisch Digitalisierung Forst und Holz“ ins Leben gerufen.

Investitionshemmnisse

Analysen ergaben, dass bisher vor allem die angespannte Marktsituation in der Forstwirtschaft die Standardisierung erschwerte. Komplexe und kapitalintensive Digitallösungen wurden demnach eher von größeren Forstbetrieben eingeführt, während kleinere Betriebe – wenn überhaupt – aus Kostengründen auf einfache Lösungen zurückgriffen. Aber gerade im Kleinprivatwald kann die Digitalisierung erheblich zur waldbaulichen Optimierung und effizienterer Holznutzung beitragen. Dass mit der Digitalisierung die Innovationszyklen immer kürzer werden, bremste den Investitionswillen zudem.

Digitaler Flickenteppich

Wo hingegen investiert wird, dort steht zu befürchten, dass die Nutzung unterschiedlicher Dienste und Protokolle zu einem digitalen Flickenteppich führt. Um eine homogene Flächenabdeckung und eine wachsende Nutzerzahl zu erreichen, arbeitet der Runde Tisch Digitalisierung daran, dass der Cluster Forst und Holz Standards auch nutzt. Denn es steht außer Frage, dass die Digitalisierung der Holz- und Forstwirtschaft große Chancen eröffnet.

Digitale Chancen

Das zeigt exemplarisch das Verbundprojekt VEHIT: Um den Holztransport auf der Straße zu entlasten, erarbeiten Forscher der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg zusammen mit den Bayerischen Staatsforsten und der DB Cargo Logistics ein Logistikkonzept, wie der Transport auf die Bahn verlagert werden kann. In dem vom BMEL geförderten Vorhaben wird die Versorgungkette Holz durch den Einsatz von Informationstechnik (VEHIT) verbessert.

Holztransportkette

Die Planung und Steuerung entscheidet über das „Wie“ des Holztransports entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Mithilfe digitaler Möglichkeiten lässt sich der Informationsaustausch so optimieren, dass neue Supply-Chain-Konzepte entstehen. Die Akteure von Forstwirtschaft, LKW- oder Bahntransport und Holzindustrie werden so miteinander digital vernetzt, dass künftig immer das effizienteste Transportkonzept ermittelt und eingesetzt werden kann.

Spezialkarten

Ein weiteres Beispiel, das den Vorteil der Digitalisierung aufzeigt, ist die Electronic-Nose. Das Borkenkäfer-Projekt des Forschungsverbunds PROTECTFOREST der Georg-August-Universität Göttingen, der Hochschule für Forstwirtschaft Rottenburg, der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg und der CADmium GmbH hat für die Detektion von Forstschädlingen aus der Luft einen „riechenden“ Sensor entwickelt und auf einer Drohne platziert. Damit lässt sich der Borkenkäferbefall künftig räumlich identifizieren und eingrenzen. Die Informationen werden in digitale Spezialkarten transferiert und Forstbetriebe können diese etwas via Internet aufrufen und handeln – falls die entsprechenden Schnittstellen vorhanden sind.

Weitere Projekte:

„…Die Kombination aus Drohneneinsatz und Gassensorik kann Insektenkalamitäten bereits im ersten Jahr des Befalls und bei nicht sichtbaren Stehendbefall an der Krone an exponierten und dadurch besonders gefährdeten Stämmen lokalisieren…“

Abschlussbericht zum Vorhaben Drohnengestützte Detektion Phytophager Forstschädlinge mittels Electronic Nose Download als PDF (ca. 2,4 MB)

„…um die besonderen Stärken des Systems Schiene nutzen zu können … werden Verladebahnhöfe, so genannte Timberports, als „digitale Zwillinge“ im Vorhaben VEHIT modelliert.

Teilvorhaben1: Projektkoordination und Logistik, Informationsstechnische Forschung und Verarbeitung https://www.fnr.de/index.php?id=11150&fkz=2220NR009A

Teilvorhaben 2: Operationale Umsetzung Holzbereitstellung und Schadholzlager, LKW- und modaler Transport (Bahn und Schiff) https://www.fnr.de/index.php?id=11150&fkz=2220NR009B

Teilvorhaben 3: DB Cargo Logistics GmbH, Bereitstellung von Zügen und Timber-Ports, Betriebswirtschaftliche Analyse, und Entwicklung eines Timberport Prototyps (Verladebahnhof) https://www.fnr.de/index.php?id=11150&fkz=2220NR009C

 

„Vernetzungen und Kooperationen der Unternehmen bzw. Wertschöpfungsstufen im Cluster Wald und Holz“

Charta für Holz 2.0: https://www.charta-fuer-holz.de/charta-handlungsfelder/cluster-forst-und-holz/handlungsbedarf-im-detail

 

Der offene und somit für Anwender frei zugängliche und einsetzbare Datenstandard DRMdat steht auf der Homepage - DRMdat für Softwareentwickler und Interessierte verfügbar. 

 

Wie der Dackel zum Förster,...  Heutzutage ist der Laptop ein obligatorischer Begleiter für im Forst Schaffende. Der Digitalisierung im Wald gilt ein besonderes Augenmerk der Forstwirtschaft.
Foto: Axel Schmidt
www.axelschmidt.net

Wie der Dackel zum Förster,... Heutzutage ist der Laptop ein obligatorischer Begleiter für im Forst Schaffende. Der Digitalisierung im Wald gilt ein besonderes Augenmerk der Forstwirtschaft.

Foto: Axel Schmidt

www.axelschmidt.net